Die Finanzierungskosten für Wohnimmobilien ziehen seit dem Frühjahr wieder an. Der amtliche Beleg dafür steht nicht in einer Portalmeldung, sondern in der Zinsstatistik der Deutschen Bundesbank.
Bundesbank weist 3,78 Prozent für Juli aus
Laut MFI-Zinsstatistik der Deutschen Bundesbank, Stand 2. September 2026, lag der Effektivzinssatz im Neugeschäft der deutschen Banken für Wohnungsbaukredite an private Haushalte im Juli 2026 bei 3,78 Prozent, sofern die Zinsbindung über fünf bis zehn Jahre läuft. Im März 2026 waren es 3,60 Prozent. Seit April ist der Wert in jedem einzelnen Monat gestiegen.
| Monat 2026 | variabel / bis 1 Jahr | über 5 bis 10 Jahre | über 10 Jahre |
|---|---|---|---|
| März | 4,07 | 3,60 | 3,74 |
| April | 4,18 | 3,66 | 3,91 |
| Mai | 4,34 | 3,74 | 3,97 |
| Juni | 4,36 | 3,76 | 3,98 |
| Juli | 4,41 | 3,78 | 3,92 |
Zur Einordnung gehört, was diese Zahl ist: ein volumengewichteter Durchschnitt der tatsächlich abgeschlossenen Neugeschäfte aller meldenden deutschen Banken. Sie ist nicht identisch mit den Bestkonditionen, die Vergleichsportale ausweisen, und nicht mit dem Zins, den ein einzelner Haushalt mit hoher Eigenkapitalquote erhält.
Der Anstieg zieht sich durch die Laufzeiten – mit einer Ausnahme
Bei variabler Verzinsung oder einer Bindung bis zu einem Jahr kletterte der Satz von 4,07 Prozent im März auf 4,41 Prozent im Juli. Bei einer Bindung von über zehn Jahren stieg er von 3,74 auf 3,92 Prozent, erreichte seinen Höchststand aber bereits im Juni mit 3,98 Prozent und gab danach leicht nach. Ununterbrochen aufwärts ging es nur in der mittleren Laufzeit von fünf bis zehn Jahren – jener Bindung, die bei Wohnimmobilien am häufigsten gewählt wird.
Gleichzeitig treten die Preise für Eigentumswohnungen bundesweit auf der Stelle. Der EPX hedonic von Europace, der aus echten Finanzierungsanfragen berechnet wird, stand für Eigentumswohnungen im Juli 2026 bei 219,54 Indexpunkten gegenüber 219,20 Punkten im Juli 2025 – ein Plus von 0,16 Prozent binnen eines Jahres. Bestandshäuser legten im selben Zeitraum von 199,47 auf 203,04 Punkte zu, also um 1,79 Prozent.
Was das für eine Kölner Eigentumswohnung bedeutet
Der Grundstücksmarktbericht 2026 für die Stadt Köln weist für Eigentumswohnungen im Weiterverkauf einen mittleren Kaufpreis von 4.709 Euro je Quadratmeter Wohnfläche aus, ein Plus von 4,2 Prozent gegenüber dem Vorjahr (Berichtszeitraum 2025).
Rechenbeispiel auf Basis des amtlichen Kölner Mittelwerts
• Wohnung: 80 m² zu 4.709 €/m² = 376.720 €
• Finanziert: 80 Prozent davon = 301.376 €
• Zinskosten im ersten Jahr zu 3,60 % (Stand März): rund 10.850 €
• Zinskosten im ersten Jahr zu 3,78 % (Stand Juli): rund 11.392 €
• Differenz: etwa 542 € im Jahr oder rund 45 € im Monat
Tilgung und Kaufnebenkosten sind in dieser Rechnung nicht enthalten. Sie dient der Größenordnung, nicht der Finanzierungsplanung.
Was das für Eigentümer bedeutet
Für Verkäufer ist der Zinssatz keine Größe, die den eigenen Angebotspreis verändert. Er verändert, wie viel ein Interessent bei gleicher Monatsrate finanzieren kann. Steigt der Zins um 0,18 Prozentpunkte, sinkt der finanzierbare Betrag bei unverändertem Budget entsprechend, oder der Käufer muss mehr Eigenkapital einbringen.
In der Praxis zeigt sich das seltener am Preis als am Ablauf: an der Zahl der Besichtigungen, an der Zeit bis zum ersten belastbaren Angebot und daran, wie häufig eine Finanzierung noch scheitert.
Einordnung: Ob und wie stark ein einzelnes Objekt betroffen ist, hängt von Lage, Zustand und Zuschnitt ab und lässt sich nur am Einzelfall beurteilen. Fragen zur konkreten Finanzierung gehören zur Bank oder zu einer unabhängigen Finanzierungsberatung; dieser Beitrag ersetzt keine Finanzberatung.
Ausblick
Die Bundesbank veröffentlicht die Zinsstatistik monatlich mit rund zwei Monaten Verzug; der Wert für August 2026 steht damit Anfang Oktober an. Ob sich der Anstieg fortsetzt, ist offen – die Statistik enthält keine Prognose, und eine belastbare Vorhersage lässt sich aus vier Monatswerten nicht ableiten. Erkennbar wird die Richtung an zwei Stellen: an der nächsten Veröffentlichung der Bundesbank und daran, ob der EPX hedonic für Eigentumswohnungen seine Seitwärtsbewegung fortsetzt.
Quellen
- Deutsche Bundesbank, „Zinssätze für das Neugeschäft der deutschen Banken (MFIs) – Kredite an private Haushalte“, Stand 02. 09. 2026, abgerufen 06. 09. 2026 – https://www.bundesbank.de/de/statistiken/geld-und-kapitalmaerkte/zinssaetze-und-renditen/wohnungsbaukredite-an-private-haushalte-hypothekarkredite-auf-wohngrundstuecke-615036
- Europace AG, „EPX hedonic – Immobilienpreisindex“, Datenstand Juli 2026, veröffentlicht 18. 08. 2026, abgerufen 06. 09. 2026 – https://europace.de/epx-hedonic/
- Gutachterausschuss für Grundstückswerte in der Stadt Köln, „Grundstücksmarktbericht 2026 für die Stadt Köln“, Kapitel 6.1.3, Berichtszeitraum 2025, abgerufen 06. 09. 2026 – https://www.gars.nrw/images/user/GA_K%C3%B6ln/GMB2026_Digitalversion.pdf