✓ Kölner Immobilien NEWS · Roman Becker

65-Prozent-Regel gestrichen: Neues Heizungsrecht gilt seit dem 29. Juli

Das Gebäudemodernisierungsgesetz hat das Gebäudeenergiegesetz abgelöst. Für Köln ist das eine Nachricht mit Gewicht: Nach dem Zensus 2022 wurden 72,7 Prozent aller Kölner Wohnungen mit Gas beheizt.

6. September 2026 · Roman Becker, romanbecker.de · Quellen der Zahlen: Deutscher Bundestag, Bundesregierung und Stadt Köln

Die Pflicht, neue Heizungen zu mindestens 65 Prozent mit erneuerbaren Energien zu betreiben, ist entfallen. Für Eigentümer ändert sich damit eine Grundlage, die in Verkaufsverhandlungen regelmäßig eine Rolle spielt.

Bundestag beschloss das Gesetz mit 323 zu 271 Stimmen

Der Bundestag hat das Gebäudemodernisierungsgesetz (GModG) am 10. Juli 2026 mit 323 Ja- zu 271 Nein-Stimmen beschlossen. Verkündet wurde es am 28. Juli 2026 im Bundesgesetzblatt, die wesentlichen Neuregelungen gelten seit dem 29. Juli 2026. Es ersetzt das Gebäudeenergiegesetz.

Die zentrale Änderung: Die pauschale Vorgabe, dass neu eingebaute Heizungen ihre Wärme zu mindestens 65 Prozent aus erneuerbaren Energien erzeugen müssen, ist gestrichen. Neben Wärmepumpen, Fernwärme und Biomasse bleiben damit auch neue Gas- und Ölheizungen zulässig. An die Stelle der Quote tritt eine Beimischungspflicht für den Brennstoff.

Auf einen Blick

Beschluss im Bundestag: 10. Juli 2026, 323 Ja- zu 271 Nein-Stimmen

Verkündung im Bundesgesetzblatt: 28. Juli 2026

Wesentliche Neuregelungen gelten seit: 29. Juli 2026

65-Prozent-Regel: ersatzlos gestrichen

Neue Gas- und Ölheizungen: weiterhin zulässig

Beimischungspflicht klimaneutraler Brennstoffe: 10 Prozent ab 2029, 60 Prozent ab 2040, 100 Prozent ab 2045

Köln heizt zu 72,7 Prozent mit Gas

Wie stark das den Kölner Bestand betrifft, zeigt die städtische Auswertung „So heizt Köln“ auf Basis der Gebäude- und Wohnungszählung des Zensus 2022 (Stichtag 15. Mai 2022). Zu diesem Zeitpunkt gab es in Köln 142.726 Gebäude mit Wohnraum und 567.401 Wohnungen.

Energieträger der Kölner Wohnungen, Zensus 2022 (Stichtag 15. 05. 2022)
EnergieträgerAnteil der Wohnungen
Gas72,7 %
Fernwärme (verschiedene Energieträger)15,7 %
fossil insgesamt (Gas, Heizöl, Kohle)mindestens 80,5 %
erneuerbar insgesamtmindestens 2,1 %

Der Anteil schwankt erheblich zwischen den Veedeln. Solarthermie, Geothermie und Wärmepumpen kamen am häufigsten am Stadtrand vor, in der Innenstadt praktisch gar nicht.

Anteil der Wohnungen mit Solar-/Geothermie und Wärmepumpen, ausgewählte Stadtteile
StadtteilAnteil
Köln-Widdersdorf12,6 %
Köln-Hahnwald10,8 %
Köln-Fühlingen10,0 %
Köln-Altstadt-Süd0,2 %
Köln-Neustadt-Süd0,2 %

Auch das Baujahr schlägt durch: In Gebäuden von vor 1919 wurden 84,7 Prozent der Wohnungen mit Gas beheizt, in Gebäuden der Jahre 1970 bis 1979 nur 54,5 Prozent – dort erreichte Fernwärme 27,1 Prozent. In Ein- und Zweifamilienhäusern spielte Heizöl mit 13,6 Prozent eine deutlich größere Rolle als in Mehrfamilienhäusern mit 6,5 Prozent.

Zur Einordnung der Datenqualität: Die Zahlen stammen vom Mai 2022 und sind damit über vier Jahre alt. Für 11,3 Prozent der Gebäude und 16,4 Prozent der Wohnungen musste die Stadt Angaben schätzen.

Der Kölner Wärmeplan verweist auf ein Gesetz, das es nicht mehr gibt

Die Stadt Köln hat ihre erste Kommunale Wärmeplanung am 4. März 2026 als fertiggestellt gemeldet. Sie teilt das Stadtgebiet danach ein, ob sich ein Gebiet für Fern- und Nahwärme oder für dezentrale Lösungen eignet. In derselben Mitteilung hält die Stadt fest, der Plan selbst begründe keine Pflichten – verbindliche Verpflichtungen ergäben sich „aus dem geltenden Gebäudeenergiegesetz“. Genau dieses Gesetz wurde knapp fünf Monate später ersetzt.

Der Plan bleibt als Orientierung nützlich, weil er zeigt, wo ein Fernwärmeanschluss realistisch ist. Die RheinEnergie investiert nach Angaben der Stadt rund zwei Milliarden Euro in die Infrastruktur, darunter eine Flusswasser-Wärmepumpe mit 150 Megawatt thermischer Leistung bis 2028.

Was das für Eigentümer bedeutet

Für Verkäufer verschiebt sich ein Verhandlungsargument. Unter dem alten Recht war eine ältere Gasheizung ein Posten, den Kaufinteressenten als absehbare Pflichtinvestition ansetzen konnten. Diese rechtliche Grundlage besteht so nicht mehr – die Beimischungspflicht ab 2029 wirkt über den Brennstoffpreis, nicht über einen Austauschzwang.

Verschwunden ist das Thema damit nicht, es hat nur die Form gewechselt: Wer heute eine Gasheizung betreibt, trägt ab 2029 steigende Brennstoffkosten.

Einordnung: Ob und wie sich das im Preis eines konkreten Objekts niederschlägt, hängt von Baujahr, Zustand der Anlage und der Lage im Wärmeplan ab. Für die rechtliche Bewertung des Einzelfalls ist fachlicher Rat einzuholen; dieser Beitrag ersetzt keine Rechtsberatung.

Ausblick

Offen ist, wie sich die Beimischungsquote ab 2029 auf die Gaspreise auswirkt – dazu liegen belastbare Zahlen bislang nicht vor. Für Köln ist der nächste erkennbare Schritt die Fortschreibung der Wärmeplanung, die alle fünf Jahre zu aktualisieren ist.

Quellen

  1. Deutscher Bundestag, „Bundestag beschließt Heizungsgesetz-Novelle“, Abstimmung vom 10. 07. 2026, abgerufen 06. 09. 2026 – https://www.bundestag.de/dokumente/textarchiv/2026/kw28-de-heizungsgesetz-1194534
  2. Bundesregierung, „Neues Gebäudemodernisierungsgesetz“, Verkündung im Bundesgesetzblatt am 28. 07. 2026, Inkrafttreten 29. 07. 2026, abgerufen 06. 09. 2026 – https://www.bundesregierung.de/breg-de/aktuelles/neues-gebaeudemodernisierungsgesetz-2430284
  3. Stadt Köln, Amt für Stadtentwicklung und Statistik, „So heizt Köln – Ergebnisse des Zensus 2022“, Kölner Statistische Nachrichten 14/2025, abgerufen 06. 09. 2026 – https://www.stadt-koeln.de/mediaasset/content/pdf15/statistik-bauen-und-wohnen/so_heizt_koeln_-_ergebnisse_des_zensus_2022.pdf
  4. Stadt Köln, „Kommunale Wärmeplanung ist fertiggestellt“, veröffentlicht 04. 03. 2026, abgerufen 06. 09. 2026 – https://www.stadt-koeln.de/politik-und-verwaltung/presse/mitteilungen/28239/index.html

Was heißt das für Ihr Objekt?

Wie Heizung und Baujahr den Wert Ihrer Immobilie im jeweiligen Veedel beeinflussen, lässt sich nur am Einzelfall beurteilen. Ich sehe mir das an – unverbindlich, diskret und ohne Zeitdruck.