✓ Immobilienwissen von Roman Becker · Makler Köln · EVERNEST

Asbest in Immobilien

Wann besteht wirklich Handlungsbedarf? Kein Grund zur Panik – aber richtig testen, wenn nötig entsorgen. Dienstleister, Preise und Kosten im Überblick.

Gebäude, die vor Oktober 1993 errichtet wurden, können asbesthaltige Baumaterialien enthalten. Asbest war damals ein weit verbreiteter Baustoff in Dachplatten, Fassaden, Bodenbelägen, Putz, Fliesenklebern und Dichtungen. Seit dem 31. Oktober 1993 ist Asbest in Deutschland verboten. Wer eine ältere Immobilie kauft, vermietet oder saniert, sollte das Thema kennen – aber keine Panik verbreiten.

Kein Grund zur Panik: Wann muss überhaupt saniert werden?

Grundsätzlich können und sollten asbesthaltige Produkte, bei denen der Asbest fest eingebunden ist, gar nicht ohne Anlass ausgebaut werden. Gerade beim Ausbauen oder Entfernen besteht das Risiko der Faserfreisetzung – bei normaler Nutzung der Wohnung jedoch nicht. Eine Sanierungspflicht besteht also nicht automatisch, sondern nur wenn das Material beschädigt ist, bearbeitet wird oder Fasern freigesetzt werden könnten. Quelle: Umweltbundesamt

Wann ist ein Asbesttest sinnvoll?

  • Beim Kauf oder Verkauf älterer Bestandsimmobilien (Baujahr vor 1993)
  • Vor Sanierungs-, Umbau- oder Abrissarbeiten
  • Bei Verdacht auf beschädigte asbesthaltige Materialien (Wellplatten, alter Bodenbelag, Spritzputz)

Dienstleister für Asbesttests

Materialproben können per Selbstentnahme-Kit ins Labor geschickt oder von einem Gutachter vor Ort entnommen werden:

  • IVARIO – Analyse ab 69,90 € pro Probe (Faserzement, Bodenbeläge); empfindlichere Tests für Kleber/Putz ab 139,90 €. Probe selbst entnehmen, einsenden, Ergebnis online abrufen.
  • Checknatura – Test-Kit ab 69,00 €, inklusive Rücksendebox und Laboranalyse (REM-Verfahren). Ergebnis mit Angabe der Asbestart.
  • Für rechtssichere Gutachten (z. B. vor Verkauf oder bei Behörden) empfiehlt sich ein zertifizierter Gutachter (z. B. TÜV SÜD): ca. 500–1.500 € je nach Gebäudegröße.

Was kostet die Asbestentsorgung?

Wird Asbest gefunden und muss entfernt werden, ist ein zertifizierter Fachbetrieb (TRGS-519-Sachkundenachweis) Pflicht. Folgende Kosten entstehen typischerweise:

  • Schadstoffgutachten: 200–600 €
  • Demontage Dachplatten: 25–50 €/m²
  • Demontage Innenbereich (Putz, Kleber): 80–200 €/m²
  • Verpackung (Big Bags) + Deponiegebühren: 100–300 €/Tonne
  • Gerüst (falls nötig): 5–12 €/m²
  • Freimessung durch unabhängiges Labor: 200–500 €

Typische Gesamtkosten: Einzelne Platten 800–2.500 € · Dach Einfamilienhaus (120 m²) 6.000–15.000 € · Fassade 4.000–12.000 € · Kompletter Rückbau vor Abriss 5.000–25.000 €+

Die Entsorgung ist kostspielig, weil Asbest als gefährlicher Sondermüll gilt und zwingend auf zugelassenen Sonderdeponien entsorgt werden muss. Sanierungskosten sind in der Regel als Erhaltungsaufwand steuerlich absetzbar.

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